Äquator-Station: zwischen Süd & Nord, gestern & heute

Wo sind wir eigentlich? Bild vom Bordcomputer, das in allen Laboren live verfolgt werden kann. Der rote Punkt markiert die aktuelle Position von SONNE. Foto von Rohan Henkel (AG Sensorsysteme ICBM, Wilhemshaven; hier an Bord gehört er zum “Bio-optics” Team).
Wo sind wir eigentlich? Bild vom Bordcomputer, das in allen Laboren live verfolgt werden kann. Der rote Punkt markiert die aktuelle Position von SONNE. Foto von Rohan Henkel (AG Sensorsysteme ICBM, Wilhemshaven; hier an Bord gehört er zum “Bio-optics” Team).

Jetzt haben wir ihn endlich erreicht: den Äquator. Die Grenze zwischen Süd- und Nordhalbkugel bei 0° Nord und 0° Süd. Aber wir sind nicht irgendwo am Äquator, sondern genau dort, wo mit einem Schritt in die richtige Richtung das Heute zum Gestern werden kann und umgekehrt. Unsere Station befindet sich genau auf der Datumsgrenze bei 180° West und 180° Ost.

Bei uns war heute gleichzeitig der 12. Mai und der 11. Mai. Bei 180° West/Ost liegt die Datumsgrenze. Aktuell liegt SONNE mit dem Bug noch im Gestern, während am Heck schon heute ist. Natürlich wird hier an Bord nicht ständig das Datum geändert, je nachdem, wo sich der Großteil des Schiffes gerade befindet. An Bord gilt immer Bordzeit, und wann umgestellt wird, entscheidet der Käpitän. Irgendwann vor unserer Ankunft in Dutch Harbor wird er uns auf Zeitreise schicken und uns unsere Uhren – oder besser Kalender – einen Tag zurückstellen lassen!

Die Position für unsere 24-Stunden-Zeitserie ist also einmalig. Aber die Äquatorstation ist auch für unsere Forschung sehr interessant. Deshalb nehmen wir ja genau hier Proben, und zwar rund um die Uhr alle 3 Stunden.

Wir befinden uns nämlich mitten im sogenannten äquatorialen Auftriebsgebiet. In dieser Ozeanregion gelangt Wasser aus größerer Tiefe an die Oberfläche und bringt viele Nährstoffe in die oberen lichtdurchfluteten Wasserschichten. Das freut die dort lebenden Algen, die auf diese Nährstoffzufuhr angewiesen sind. Unser tiefblauer Pazifik ist hier zwar immer noch sehr blau, aber auf unseren Filtern finden wir jetzt häufiger dünne grüne Beläge von Algen. Die höhere Produktivität der Algen füttert die gesamte Nahrungskette. Und so sehen wir hier tatsächlich immer mal wieder Vögel und einige von uns konnten schon riesige Fisch-Schwärme bewundern. Bei so viel Angebot sind natürlich auch die Fischerboote nicht weit weg, so dass wir zur Zeit nicht mehr ganz so einsam sind auf den Weiten des Pazifiks.