Probennahme zur (deutschen) Schlafenszeit

Während ihr euch eure wohlverdiente Nachtruhe gönnt (und nicht wie mancheiner bei uns vom Jetlag davon abgehalten werdet), haben wir unser Tagessoll bereits erfüllt. Acht Stunden Zeitverschiebung machen’s möglich!

Wäre draußen nicht das weite nasse Blau, könnte man meinen, wir seien in der Wüste. Gerade um die Mittagszeit brennt die Sonne gnadenlos auf uns herab. Man könnte niemals vergessen, dass die australischen Outbacks nur wenige hundert Kilometer, für Australier einen Katzensprung, vor unserem Bug liegen. Ohne Sonnencreme, schicke Hüte und literweise Wasser würden wir keinen Fuß aufs Deck setzen, geschweigedenn die gut klimatisierten Labore und Kabinen verlassen. Gerade die Schlauchboot und Kajak-Fahrer unter uns können ein Lied davon singen, was es heißt sich der sengenden Hitze auszuliefern. Aber von vorne.

Nach einem überaus reichhaltigem Frühstück (Speck, Eier und Toast) werden der Catamaran und auch unsere schwimmende Messboje für den Einsatz präpariert und schließlich zu Wasser gelassen. Aber mehr dazu in den nächsten Tagen. Natürlich ist auch unsere berühmte Glasplatte zur Beprobung des Oberflächenfilms mit von der Partie, wenn wir ins Schlauchboot steigen. Die Glasplatte (ca. 40×50 cm) wird vertikal zur Wassersäule in jene eingetaucht um sie mit einer Geschwindigkeit von 5-6 Sekunden (nein, wir gucken dabei nicht auf die Uhr) wieder durch die Wasseroberfläche nach oben zuziehen. Das ganze machen wir natürlich vom Schlauchboot aus, weil der Weg zur Oberfläche auch für Menschen mit langen Armen von der Falkor aus doch etwas weit ist. Der oberste Meeresfilm ist so dünn wie ein menschliches Haar (ja, wirklich!), dabei wegen seiner Verbreitung (70% der Erdoberfläche) so wichtig wie der restliche Ozean für unser Klima als Speicherort für das Treibhausgas CO2 und außerdem stark angereichert von organischem Material. Wegen letzterem klebt der Film förmlich auf der Oberfläche unserer Glassplatte fest und wir können ihn mit einem Fensterwischer dort herunterwischen und in einer Flasche sammeln. Das ganze macht der Catamaran übrigens voll automatisch, dafür hat man als Experimentator allerdings weniger Spaß und Pein. Denn da wir für Analysen von Bakteriengemeinschaften im Meeresoberflächenfilm rund einen halben Liter Volumens dieses Films benötigen, wird der Arm, der die Glassplatte über die Schlauchboot-Reling rein und raustaucht schon mal etwas lahm. Einseitig muskelbepackte Chemiker und Biologen sind daher wahrscheinlich im Oberflächenfilmsammel-Bereich tätig…

Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass wir trotz Hitzeeinwirkung und Leben auf engem Raum alle gut drauf sind. Nette und hilfsbereite Kollegen und Mannschaft der FS Falkor, gutes Essen, schöne Sonnenuntergänge und ruhige See tragen dazu wesentlich bei. Bis zum nächsten Mal!

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Janina, Mariana und Ili (von links nach rechts) beim Beobachten der Boje
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Kim und Oliver bei der manuellen Probennahme im Schlauchboot
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Der Catamaran wird zu Wasser gelassen