{"id":1375,"date":"2018-04-20T17:58:18","date_gmt":"2018-04-20T15:58:18","guid":{"rendered":"http:\/\/icbm-auf-see.uni-oldenburg.de\/?p=1375"},"modified":"2018-04-23T08:40:09","modified_gmt":"2018-04-23T06:40:09","slug":"partikelregen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/icbm-auf-see.uni-oldenburg.de\/en\/partikelregen\/","title":{"rendered":"Partikelregen"},"content":{"rendered":"<p>Mittlerweile sind wir seit \u00fcber vier Wochen unterwegs und haben beim Fang von Salpen schon viel dazugelernt. So konnten wir zwei mehrt\u00e4gige Experimentphasen abschlie\u00dfen, in denen wir mit gefangenem Krill und Salpen erfolgreich schon einen gro\u00dfen Teil unserer geplanten Experimente durchf\u00fchren konnten. Die erste dieser Experimentphasen verbrachten wir bei Deception Island. Dort konnten wir die ersten Salpen fangen, jedoch noch nicht in ausreichender Menge und in so gutem Zustand, dass alle Experimente durchgef\u00fchrt werden konnten. Nach einigen Tagen vor Ort begaben wir uns deshalb entlang der n\u00f6rdlichen Seite der s\u00fcdlichen Shetland Inseln auf den Weg in Richtung Elephant Island. W\u00e4hrend der \u00dcberfahrt machten wir an zahlreichen Zwischenstationen f\u00fcr einige Stunden halt um Daten wie Wassertemperatur und Salzgehalt zu sammeln. Das machen wir in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden zusammen mit F\u00e4ngen von Krill und Salpen um deren Dichte und regionale Verteilung zu dokumentieren.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Endlich bei Elephant Island angekommen, wuchs unter uns Wissenschaftlern die Spannung, ob wir wohl genug Salpen f\u00fcr weitere Experimente finden w\u00fcrden und bald wurde klar, dass es hier sowohl Krill, als auch Salpen genug gibt, um alle Experimente zu f\u00fcllen und alle Beteiligten an Bord gl\u00fccklich zu machen. So konnten wir eine neue Experimentphase beginnen.<\/p>\n<p>Das Hauptprojekt dieser Expedition, POSER (POpulation Shift and Ecosystem Response) gliedert sich in mehrere Unterprojekte, die eng miteinander verkn\u00fcpft sind. Eines dieser Unterprojekte besch\u00e4ftigt sich mit der Frage, welchen Einfluss Krill und Salpen auf den Kohlenstofffluss im Meer, die sogenannte biologische Kohlenstoffpumpe haben. Dieser Frage auf den Grund geht eine Gruppe von Wissenschaftlern aus Bremen, Bremerhaven und Vancouver, bestehend aus Morten Iversen, Clara Flintrop, Christian Konrad, Evgeny und Larysa Pakhomov und Nora-Charlotte Pauli.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1377\" aria-describedby=\"caption-attachment-1377\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1377 size-medium\" src=\"http:\/\/icbm-auf-see.uni-oldenburg.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Abb.1_Sebastian-B\u00f6ckmann-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/icbm-auf-see.uni-oldenburg.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Abb.1_Sebastian-B\u00f6ckmann-300x200.jpg 300w, https:\/\/icbm-auf-see.uni-oldenburg.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Abb.1_Sebastian-B\u00f6ckmann-768x512.jpg 768w, https:\/\/icbm-auf-see.uni-oldenburg.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Abb.1_Sebastian-B\u00f6ckmann-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/icbm-auf-see.uni-oldenburg.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Abb.1_Sebastian-B\u00f6ckmann.jpg 1152w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1377\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 1: Die Sinkstofffalle wird zu Wasser gebracht. Foto: Sebastian B\u00f6ckmann.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Kohlenstoffdioxid (CO<sub>2<\/sub>) gelangt aus der Atmosph\u00e4re ins Meer und wird dort von kleinen Algen in den biologischen Kreislauf aufgenommen. Ein wichtiger Bestandteil dieses Kohlenstoffkreislaufes im Meer sind Partikel, die entweder als Nahrung f\u00fcr verschiedene Organismen dienen, oder auf den Meeresboden absinken. Dazu z\u00e4hlt unter anderem auch der Kot von Tieren wie Krill und Salpen, sogenannte faecal pellets. Diese pellets sinken unterschiedlich schnell und haben einen unterschiedlichen Kohlenstoffgehalt. Somit tragen sie in unterschiedlicher Weise zum Kohlenstoffkreislauf bei. Das ist besonders interessant, da in den letzten Jahren eine Zunahme von Salpen und eine Abnahme der Krill Populationen in der Antarktis beobachtet wird. Durch die Klimaerw\u00e4rmung konnten Salpen sich immer weiter Richtung S\u00fcden ausbreiten, gleichzeitig ist Krill auf eine gro\u00dfe Eisausdehnung im Winter angewiesen. Wir wollen zum Beispiel untersuchen, ob die faecal pellets von Salpen schneller sinken als die von Krill. Schneller sinkende Partikel mit einem hohen Kohlenstoffgehalt k\u00f6nnten einen h\u00f6heren Beitrag dazu leisten, dass Kohlenstoffdioxid aus der Atmosph\u00e4re f\u00fcr mehrere tausend Jahre im Meeresboden gespeichert wird. In einem Ozean der Zukunft, in dem Salpen \u00fcber Krill dominieren k\u00f6nnten, w\u00fcrde dies einen gro\u00dfen Einfluss auf den Kohlenstoffkreislauf haben. Wie effektiv wird die Kohlenstoffpumpe in der Antarktis dann sein?<\/p>\n<figure id=\"attachment_1376\" aria-describedby=\"caption-attachment-1376\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1376 size-medium\" src=\"http:\/\/icbm-auf-see.uni-oldenburg.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Abb.2_Nora-Ch.-Pauli-300x214.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"214\" srcset=\"https:\/\/icbm-auf-see.uni-oldenburg.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Abb.2_Nora-Ch.-Pauli-300x214.jpg 300w, https:\/\/icbm-auf-see.uni-oldenburg.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Abb.2_Nora-Ch.-Pauli-768x547.jpg 768w, https:\/\/icbm-auf-see.uni-oldenburg.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Abb.2_Nora-Ch.-Pauli-1024x730.jpg 1024w, https:\/\/icbm-auf-see.uni-oldenburg.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Abb.2_Nora-Ch.-Pauli.jpg 1078w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1376\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 2: Vor beeindruckender Kulisse lassen sich die Bojen der Sinkstofffalle zu erkennen, die im Wasser treibt. \u00dcber einen Irridium GPS Sender k\u00f6nnen wir die Falle jederzeit wiederfinden. Foto: Nora-Charlotte Pauli<\/figcaption><\/figure>\n<p>Um dieser Fragen auf den Grund zu gehen kombinieren wir eine Reihe von Messungen im Feld mit Messungen und Experimenten im Labor. Unter anderem nutzen wir eine Sinkstofffalle, um sinkende Partikel aus verschiedenen Tiefen aus dem Wasser zu bekommen. Die Sinkstofffalle besteht aus vier langen, an einem Ende offenen Rohren, die in je drei Tiefen aufgeh\u00e4ngt werden und in die Partikel hineinsinken (Abb. 1). Bojen sorgen daf\u00fcr, dass die R\u00f6hren auf der entsprechenden Tiefe bleiben und nicht untergehen (Abb. 2). Wieder an Bord k\u00f6nnen wir die Partikel aus den R\u00f6hren entnehmen und Gr\u00f6\u00dfe und Kohlenstoffgehalt messen. In je einer R\u00f6hre pro Tiefe platzieren wir au\u00dferdem ein spezielles Gel auf dem Boden, in das die Partikel langsam hineinsinken und in Form und Gr\u00f6\u00dfe erhalten bleiben. Zus\u00e4tzlich nehmen wir die Partikelverteilung im Wasser mit einer Kamera auf, die wir dann mit den Partikeln aus der Sinkstofffalle in Zusammenhang setzten k\u00f6nnen (Abb. 3). Eine andere Methode ist der sogenannte \u201eMarine Schnee F\u00e4nger\u201c (Marine snow catcher), ein 100 L fassender Zylinder. Dieser wird offen zu Wasser gelassen und von Bord aus auf einer gew\u00fcnschten Tiefe geschlossen. Zur\u00fcck an Deck wird der wassergef\u00fcllte Zylinder f\u00fcr einige Stunden stehen gelassen, damit alle Partikel, die sich in den 100 L befinden, auf den Boden des Zylinders sinken k\u00f6nnen. Nach einiger Zeit kann dann der Bodenteil entnommen und die abgesunkenen Partikel analysiert werden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1378\" aria-describedby=\"caption-attachment-1378\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1378 size-medium\" src=\"http:\/\/icbm-auf-see.uni-oldenburg.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Abb.3_Nora-Ch.-Pauli-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/icbm-auf-see.uni-oldenburg.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Abb.3_Nora-Ch.-Pauli-300x200.jpg 300w, https:\/\/icbm-auf-see.uni-oldenburg.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Abb.3_Nora-Ch.-Pauli-768x512.jpg 768w, https:\/\/icbm-auf-see.uni-oldenburg.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Abb.3_Nora-Ch.-Pauli-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/icbm-auf-see.uni-oldenburg.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Abb.3_Nora-Ch.-Pauli.jpg 1152w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1378\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 3: Die Kamera wird zur\u00fcck an Deck geholt. Foto: Nora-Charlotte Pauli.<\/figcaption><\/figure>\n<p>In Aquarien im Labor messen wir au\u00dferdem, wie viele Pellets Krill und Salpen pro Stunde produzieren und messen auch hier den Kohlenstoffgehalt dieser Pellets, um den Kohlenstoffumsatz pro Zeit extrapolieren zu k\u00f6nnen. In einem speziellen Aquarienaufbau k\u00f6nnen wir au\u00dferdem experimentell bestimmen, wie schnell Krill und Salpen Pellets sinken. Durch Sauerstoffmessungen an der Oberfl\u00e4che der Pellets k\u00f6nnen wir au\u00dferdem R\u00fcckschl\u00fcsse darauf ziehen, ob die sie durch Bakterien abgebaut werden. Nat\u00fcrlich ist f\u00fcr die Ausscheidung die Nahrungsaufnahme unerl\u00e4sslich, deshalb interessiert uns auch, was und wie Krill und Salpen fressen. Dazu nehmen wir Proben f\u00fcr genetische Analysen von Futter, Mageninhalt und den Ausscheidungsprodukten. Mit Hilfe von Videoaufnahmen von Krill und Salpen im Aquarium wollen wir zus\u00e4tzlich deren Fra\u00dfverhalten dokumentieren.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der vergangenen Expeditionswochen konnten wir schon viele Daten sammeln und interessante Beobachtungen machen. Nun sind wir auf dem Weg, ein zweites Mal Experimente bei Elephant Island durchzuf\u00fchren und erhoffen uns, die letzten noch fehlenden Daten zu bekommen.<\/p>\n<p>Viele liebe Gr\u00fc\u00dfe in die Heimat im Namen aller TeilnehmerInnen,<\/p>\n<p>Nora-Charlotte Pauli<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mittlerweile sind wir seit \u00fcber vier Wochen unterwegs und haben beim Fang von Salpen schon viel dazugelernt. 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