{"id":554,"date":"2016-11-04T08:53:22","date_gmt":"2016-11-04T06:53:22","guid":{"rendered":"http:\/\/icbm-auf-see.uni-oldenburg.de\/?p=554"},"modified":"2016-11-04T13:41:24","modified_gmt":"2016-11-04T11:41:24","slug":"schiffsbewegungen-versus-wissenschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/icbm-auf-see.uni-oldenburg.de\/en\/schiffsbewegungen-versus-wissenschaft\/","title":{"rendered":"Schiffsbewegungen versus Wissenschaft"},"content":{"rendered":"<p>Als Teil meiner Doktorarbeit untersuche ich Gradienten von Sauerstoff, pH-Wert und Temperatur im Oberfl\u00e4chenfilm, also im Grunde das, was die CTD in der Wassers\u00e4ule macht (siehe fr\u00fcherer Eintrag), aber im mikroskaligen Bereich. Es geht darum diese o.g. Parameter und Gradientenverl\u00e4ufe in Verbindung mit biologischer Aktivit\u00e4t im Oberfl\u00e4chenfilm zu bringen, welche wiederum den Gasaustausch beeinflusst.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Da der Meeresoberfl\u00e4chenfilm maximal eine Dicke von 1 mm hat, muss f\u00fcr diese Messungen eine spezielle Technik her \u2013 Mikrosensoren. Handgemacht von einer d\u00e4nischen Firma sind diese Sensoren extrem zerbrechlich und st\u00f6rempfindlich und ja\u2026 auch nicht billig. Also eigentlich rundum nicht gemacht f\u00fcr die Arbeit auf See! Die Sensoren werden \u00fcber einen computergesteuerten Motor schrittweise (in 50 Mikrometerschritten) durch die Oberfl\u00e4che gef\u00fchrt, d.h. alle 50 \u00b5m (das ist ein Zwanzigstel eines Millimeters) wird ein Wert gemessen. Damit das gelingt, muss die Oberfl\u00e4che ganz unbewegt sein.<\/p>\n<p>Bisher haben wir die Sensoren deshalb nur in einem Aquarium angewandt (<a href=\"http:\/\/www.icbm.de\/meeresoberflaechen\/forschung\/icbm-aquarium\/\">http:\/\/www.icbm.de\/meeresoberflaechen\/forschung\/icbm-aquarium\/<\/a>). Nun wollten wir sie allerdings mal im Feld testen, was eine Reihe von Herausforderungen mit sich bringt:<\/p>\n<ul>\n<li>Wie sammelt man Oberfl\u00e4chenfilm und darunterliegendes Wasser ohne die Funktionsweise des Films zu beintr\u00e4chtigen? W\u00fcrde man einfach einen Eimer zum sch\u00f6pfen ins Wasser geben, w\u00fcrde man den Film dabei zerst\u00f6ren.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wir haben ein kleines \u201cGer\u00e4t\u201d entwickelt, welches an Bord h\u00f6flich als \u201cScience-Bucket\u201d bezeichnet wird, was soviel hei\u00dft wie Wissenschaftseimer. Wir nennen den Eimer aber eigentlich NDMS = <strong>N<\/strong>on-<strong>D<\/strong>estructive <strong>M<\/strong>icrolayer <strong>S<\/strong>ampler, also nicht-zerst\u00f6render Oberfl\u00e4chenfilmsammler. Toller Name, denn eigentlich ist der NDMS nur eine Flasche ohne Boden, die auf dem Kopf steht. Dort wo sich einmal der Deckel befand, ist nun ein Stopfen mit einem Ventil angebracht sowie ein Gewicht, damit das Absinken des NDMS auch bei st\u00e4rkerer Str\u00f6mung funktioniert. Dort wo einmal der Boden war sind Seile zum Halten befestigt.<\/p>\n<p>Die Anwendung ist denkbar einfach. Man versenkt den NDMS im Meer, w\u00e4hrend man ihm am Seil h\u00e4lt. Wichtig ist, dass er ganz untertaucht und man eine Weile wartet, damit sich der Film wieder herstellen kann. Dann zieht man ihn langsam heraus und schlie\u00dft unten das Ventil, damit der Wasserstand nicht zu hoch ist, und man bei der nachfolgenden Schlauchbootfahrt nicht die H\u00e4lfte der Probe wieder an das Meer verliert.<\/p>\n<p>Tadaaa\u2026so hat man unzerst\u00f6rten Oberfl\u00e4chenfilm plus darunterliegendes Wasser beprobt. Das ganze macht man \u00fcbrigens drei mal mit drei individuellen NDMS um die Variabilit\u00e4t zwischen den Proben zu erfassen (Jaaa, auch Mikrobiologen nehmen manchmal Replikate!)<\/p>\n<figure id=\"attachment_555\" aria-describedby=\"caption-attachment-555\" style=\"width: 1493px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/icbm-auf-see.uni-oldenburg.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Bild1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-555 size-full\" src=\"http:\/\/icbm-auf-see.uni-oldenburg.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Bild1.png\" alt=\"bild1\" width=\"1493\" height=\"1030\" srcset=\"https:\/\/icbm-auf-see.uni-oldenburg.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Bild1.png 1493w, https:\/\/icbm-auf-see.uni-oldenburg.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Bild1-300x206.png 300w, https:\/\/icbm-auf-see.uni-oldenburg.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Bild1-1024x706.png 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1493px) 100vw, 1493px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-555\" class=\"wp-caption-text\">Einsatz des NDMS (x3) zur Beprobung des Oberfl\u00e4chenfilms vom Schlauchboot: Eintauchen, hochziehen, Ventil zu!<\/figcaption><\/figure>\n<ul>\n<li>Wie misst man Oberfl\u00e4chenfilm-Parameter mit Mikrosensoren auf einem Schiff, welches rund um die Uhr durch Seegangs-bedingte Schwankungen und Motorvibrationen gesch\u00fcttelt wird? Denn beides wirkt sich auf die Ruhe der Wasseroberfl\u00e4che \u00e4u\u00dfert ung\u00fcnstig aus. F\u00fcr den Eigenversuch empfehle ich bei der n\u00e4chsten Bootstour mal ein Glas Wasser aufzustellen und die Oberfl\u00e4che zu beobachten.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Tja\u2026 wer f\u00fcr das Schwankungsproblem eine Patentl\u00f6sung wei\u00df, bitte mal bei melden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_556\" aria-describedby=\"caption-attachment-556\" style=\"width: 474px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/icbm-auf-see.uni-oldenburg.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/bucket.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-556 size-large\" src=\"http:\/\/icbm-auf-see.uni-oldenburg.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/bucket-576x1024.jpg\" alt=\"bucket\" width=\"474\" height=\"842\" srcset=\"https:\/\/icbm-auf-see.uni-oldenburg.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/bucket-576x1024.jpg 576w, https:\/\/icbm-auf-see.uni-oldenburg.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/bucket.jpg 808w\" sizes=\"auto, (max-width: 474px) 100vw, 474px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-556\" class=\"wp-caption-text\">Wissenschaftseimer mit Mikrosensoren, die im NDMS messen<\/figcaption><\/figure>\n<p>Derzeit fixieren wir (an dieser Stelle herzlichen Dank an die Technikerin der <em>Falkor<\/em> und ihre hervorragenden Ideen) den NDMS mit einem Messschieber. Der NDMS muss in einem Umgebungsgef\u00e4\u00df (nochmal Science-Bucket im Einsatz) stehen, welcher mit Meerwasser gef\u00fcllt ist um die Probe auf ihrer eigentlichen Temperatur zu halten. Dieser wiederum steht auf einer Waschmaschinen-Antivibrations-Matte. Eine Folie drumherum reduziert den Luftstrom der von au\u00dfen kommt. Trotz all dieser Vorkehrungen ist es bislang nicht m\u00f6glich die Oberfl\u00e4che optimal ruhig zu halten. Wirklich eine Herausforderung!<\/p>\n<p>Viele Gr\u00fc\u00dfe und bis demn\u00e4chst!<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Teil meiner Doktorarbeit untersuche ich Gradienten von Sauerstoff, pH-Wert und Temperatur im Oberfl\u00e4chenfilm, also im Grunde das, was die CTD in der Wassers\u00e4ule macht (siehe fr\u00fcherer Eintrag), aber im&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[26],"tags":[35,56,54,55,53],"class_list":["post-554","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-fs-falkor","tag-arbeit-auf-see","tag-loesungsfindung","tag-mikrosensoren","tag-sauerstoffgradienten","tag-wissenschaftseimer","entry"],"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"2.12.2","language":"en","enabled_languages":["de","en"],"languages":{"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"en":{"title":false,"content":false,"excerpt":false}}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/icbm-auf-see.uni-oldenburg.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/554","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/icbm-auf-see.uni-oldenburg.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/icbm-auf-see.uni-oldenburg.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/icbm-auf-see.uni-oldenburg.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/10"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/icbm-auf-see.uni-oldenburg.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=554"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/icbm-auf-see.uni-oldenburg.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/554\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":560,"href":"https:\/\/icbm-auf-see.uni-oldenburg.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/554\/revisions\/560"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/icbm-auf-see.uni-oldenburg.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=554"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/icbm-auf-see.uni-oldenburg.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=554"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/icbm-auf-see.uni-oldenburg.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=554"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}