{"id":561,"date":"2016-11-06T13:26:28","date_gmt":"2016-11-06T11:26:28","guid":{"rendered":"http:\/\/icbm-auf-see.uni-oldenburg.de\/?p=561"},"modified":"2016-11-07T10:06:30","modified_gmt":"2016-11-07T08:06:30","slug":"sie-sind-blau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/icbm-auf-see.uni-oldenburg.de\/en\/sie-sind-blau\/","title":{"rendered":"Sie sind blau!"},"content":{"rendered":"<p>Seit wir die australischen K\u00fcstengew\u00e4sser verlassen haben und uns im offenen Ozean aufhalten besch\u00e4ftigt uns eine kleine Entdeckung, die uns der Catamaran mitgebracht hat. Der Catamaran sammelt mit rotierenden Glasplatten auf Knopfdruck Oberfl\u00e4chenfilm und au\u00dferdem Wasser von einem Meter Tiefe als Vergleich in bis zu 24x 1 L Flaschen, also in 12 Paaren. Der Knopf zum Ausl\u00f6sen des Sammelns befindet sich auf einer Fernbedienung. Man kann das Wassersammeln also vom Schiff aus kontrollieren und muss nicht auf dem Catamaran sitzen um dies zu tun, auch wenn die Kollegen das gerne manchmal machen z.B. um die Batterie zu wechseln.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Jedenfalls fanden wir gro\u00dfe blaue Ruderfu\u00dfkrebse, sogenannte Copepoden, in den vom Catamaran gesammelten Oberfl\u00e4chenfilmproben. Gro\u00df bedeutet, sie sind sehr gut mit dem blo\u00dfen Auge zu erkennen, messen etwa 3 mm L\u00e4nge, wohingegen die \u201egew\u00f6hnlichen\u201c Nordseecopepoden meist nur Stecknadelkopfgr\u00f6\u00dfe erreichen. Daher war der erste Ausruf: \u201eHui, sind die gro\u00df!\u201c und der zweite \u201eUnd ganz sch\u00f6n blau!\u201c Interessant erscheint uns, das wir sie vermehrt im Oberfl\u00e4chenfilm finden aber nicht oder selten auf 1 Meter Tiefe. Bisher zeigte sich diese Verteilung an 6 verschiedenen Stationen.<\/p>\n<p>Copepoden haben eine wichtige Funktion in der Nahrungskette der Meere, sie stehen zwischen dem Phytoplankton, von dem sie sich ern\u00e4hren und werden wiederum von Fischen oder auch Bartenwalen gefressen. W\u00fcrde es sie nicht geben, w\u00fcrde diese Verbindung fehlen. Einige Wissenschaftler behaupten au\u00dferdem, sie w\u00fcrden zahlenm\u00e4\u00dfig die gr\u00f6\u00dfte tierische Biomasse der Erde darstellen.<\/p>\n<p>Dank der <em>Falkor<\/em> Crew, die uns ein Mikroskop zur Verf\u00fcgung stellte (auf solcherlei Entdeckungen waren wir nicht vorbereitet!), konnten wir sie uns auch etwas n\u00e4her ansehen. Zwar ist das nicht unser Fachgebiet, aber wir vermuten es handelt sich um einen Vertreter der Copepoden-Familie <em>Pontellidae<\/em>, diese sind h\u00e4ufig im Oberfl\u00e4chenwasser oder \u2013film zu finden. Genaue Bestimmungsanalysen k\u00f6nnen wir dann erst im heimischen Labor unternehmen. Eher unwahrscheinlich, aber nicht g\u00e4nzlich ausgeschlossen, w\u00e4re die Entdeckung einer neuen Pontelliden Spezies, die im Oberfl\u00e4chenfilm zu Hause ist.<\/p>\n<figure id=\"attachment_564\" aria-describedby=\"caption-attachment-564\" style=\"width: 896px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/icbm-auf-see.uni-oldenburg.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/copepod.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-564 size-full\" src=\"http:\/\/icbm-auf-see.uni-oldenburg.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/copepod.jpg\" alt=\"copepod\" width=\"896\" height=\"549\" srcset=\"https:\/\/icbm-auf-see.uni-oldenburg.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/copepod.jpg 896w, https:\/\/icbm-auf-see.uni-oldenburg.de\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/copepod-300x183.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 896px) 100vw, 896px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-564\" class=\"wp-caption-text\">Blauer Copepode aus dem Oberfl\u00e4chenfilm<\/figcaption><\/figure>\n<p>Diverse Spekulationen an Bord gibt es \u00fcber die Farbe der Winzlinge. Warum sind sie denn blo\u00df blau?<\/p>\n<p>Weil sie sich von Blaualgen ern\u00e4hren? Weil sie sich so am besten im Oberfl\u00e4chenwasser tarnen k\u00f6nnen? Weil die Pigmentierung sie vor der Sonneneinstrahlung sch\u00fctzt? Oder um Feinde zu erschrecken?<\/p>\n<p>Die Physiker um das Team von Chris Zappa vom Lamont-Doherty Earth Observatory of Columbia University (siehe Sophias fr\u00fcherer Eintrag) sind auch hellauf begeistert von den Copepoden und wollen uns helfen herauszufinden, ob die blaue F\u00e4rbung der Copepoden im Meer zur Tarnung taugt. Dazu soll die Wellenl\u00e4nge des blauen Pigments bestimmt und mit dem Lichtspektrum der Meeresoberfl\u00e4che verglichen werden.<\/p>\n<p>Wir scherzen bereits, dass das Meer blau ist<strong> wegen<\/strong> der Copepoden! K\u00f6nnte doch sein?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit wir die australischen K\u00fcstengew\u00e4sser verlassen haben und uns im offenen Ozean aufhalten besch\u00e4ftigt uns eine kleine Entdeckung, die uns der Catamaran mitgebracht hat. 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