CTD – Das ozeanographische Multitalent

FS Heincke Reise HE563 (9. – 20. Oktober 2020), Beitrag 3 / 8 von Nikola Richter

In der Ozeanographie und auch an Bord jedes Forschungsschiffes hört man immer wieder vom Einsatz der „CTD“! Doch was ist das und wozu wird sie eingesetzt? Und muss man ein erfahrener Forscher sein, um dieses hochkomplexe Gerät zu bedienen?

Die CTD im Überblick: 1 Einleiterkabel, 2 Wasserschöpfer, 3 CTD Sonde, 4 zusätzliche Sensoren, 5 Tiefenmesser (Altimeter).

Die Rede ist zwar immer von der CTD, doch gemeint ist das rosettenförmige Gestell mit 12 Wasserschöpfern von insgesamt 72 Litern Fassungsvermögen,das Kabel für die Steuerung und die Datenübertragung (Einleiterkabel), und der beherbergten CTD-Sonde.

Die Sonde, die die eigentliche CTD darstellt, besteht aus einem Titangehäuse und ist mit Sensoren für die Messung der Leitfähigkeit (Conductivity), der Temperatur (Temperature) und der Tiefe (Depth) ausgestattet.Im Einzelfall können am Gestell auch zusätzliche Sensoren angebracht sein!

 

Wir haben mit den Wasserschöpfern, die auch bis zu 6000 Meter tief eingesetzt werden können, Proben aus unterschiedlichen Tiefen entnommen. So fingen wir über zwei Wochen ein Volumen von insgesamt 3984 Litern Nordseewasser ein.

Um die Wasserproben aus unterschiedlichen Tiefen auf ihre Inhaltsstoffe zu untersuchen, füllen wir sie in Probengefäße ab.

An Deck entnahmen wir die Proben, welche wir über sehr feine Filter ziehen und anschließend auf Wasserinhaltsstoffe, wie zum Beispiel DNA, untersuchen, aus den Wasserschöpfern. Mir wurde erst an Bord deutlich, dass die Wissenschaft ein zeitaufwendiger Prozess ist und dass kein sofortiger Erkenntnisgewinn vorliegen kann. Erst durch jahrelange Forschung und Auswertung der gewonnenen Daten und entnommenen Proben zeichnet sich ein Bild der Umwelt, welches Schlüsse auf die lokale Dynamik und die Prozesse der Nordsee zulässt. Das Monitoring an Bord verschafft uns mehr als eine wage Vermutung, dass beispielsweise die Klimakrise schon längst in der deutschen Bucht angekommen ist. Um dieses und andere Themen weiter zu erforschen, ist es unentbehrlich auf zukünftige Forschungsausfahrten zu verzichten.

Was ich während der Reise erkennen konnte: In der verschlickten Ems konnten wir lediglich 40 Zentimeter tief in das Wasser gucken, wohingegen wir trotz starkem Seegang auf der Doggerbank 7 Meter Sicht in das Wasser hatten. Besonders interessant und unerwartet ist der Blick mit der CTD in die Tiefen der Doggerbank. Mit ihrer Hilfe können wir auch hier eine Schichtung erkennen. Auf circa 40 Metern Tiefe war zum Beispiel kälteres, salzhaltigeres Wasser zu finden.

Der Blick unter Wasser zeigt, dass die Nordsee fern der Küste klarer (links) und in Küstennähe recht trüb ist (rechts).

Auch als Einsteigerin mit keinerlei Vorkenntnissen in der Ozeanographie, bin ich nun nach einer Ausfahrt in der Lage, die CTD zu bedienen. Nach und nach lernte ich die Bedeutung des Multitalents CTD kennen und die bildliche Darstellung der mit ihr gewonnenen Daten zu deuten. Warum sie in der Ozeanographie und vermutlich noch lange als essenzielles Messgerät im Einsatz bleiben wird, resultiert aus der einfachen Bedienung und den bewährten Messmethoden.