Erstes Mesokosmos-Experiment

Ein Beitrag von Leonie Jaeger

Am Donnerstag bereiteten wir die umgebauten Rettungsinseln, unsere Mesokosmen, soweit vor, dass sie mit Hilfe des Krans ausgesetzt werden konnten. Sie sollten in einer Reihe aneinandergebunden werden, sodass sie als eine Einheit driften können. Die Crew leistete sehr gute Arbeit, sodass am Ende des Tages die sechs Mesokosmen mitsamt Boje auf dem Mittelmeer ausgesetzt waren.  

Aussetzen der sechs Mesokosmen, in denen unterschiedliche Lichtbedingungen herrschen. Zwei Mesokosmen sind komplett abgedunkelt, zwei sind mit UV blockender Folie bedeckt und zwei haben eine lichtdurchlässige Folie als Abdeckung (Foto: L. Jaeger).

Den Abend ließen wir mit einer gemütlichen Spielerunde an Deck bei einem wunderschönen Sonnenuntergang ausklingen. Zeitig machten wir uns dann auf den Weg in unsere Kojen, denn am nächsten Tag sollte unser erstes 1-Tages-Mesokosmos-Experiment starten.

Gemeinsamer Spieleabend an Deck bei wunderschönem Sonnenuntergang über dem ruhigen Mittelmeer (Fotos: L. Jaeger)

Am Freitag um kurz nach acht ging die erste Probennahme los. Dazu wurde ein Schlauchboot zu Wasser gelassen und drei Mann fuhren damit in Richtung der Mesokosmen. Um die Bedingungen des umliegenden Wassers zu testen, wurden zuerst Wasserproben aus einem Meter Tiefe und vom Oberflächenfilm genommen. Da das neu entwickelte Probennahmegerät für Oberflächenwasser noch nicht optimal lief, wurde kurzerhand auf die altbewährte Glasplattenmethode zurückgegriffen. Dabei wird eine Glasplatte ins Wasser getaucht, langsam herausgezogen, sodass der Oberflächenfilm daran haften bleibt, und anschließend mittels Abzieher und Trichter in eine Probenflasche gefüllt. Mit diesen Proben kamen die Wissenschaftler schließlich aufs Schiff zurück und wir machten uns an die Arbeit.

Beprobung des Oberflächenfilms mittels Glasplatte vom Schlauchboot aus (Fotos: L. Jaeger)

Zuerst durften die Bakterienexperten sich ihren Teil der Probe abfüllen, da hierbei die Kontamina­tionsgefahr am größten ist. Anschließend wurde etwas Probe zur Filtration transparenter exo­poly­merer Partikel (TEP) abgefüllt und zuletzt wurde die Probe zur Messung der optischen Dichte verwendet. Vier weitere Male machte sich das Schlauchboot an diesem Tag auf den Weg, um nun auch die Meeresoberfläche in den Mesokosmen zu beproben. Eine Probennahme dauerte ungefähr eine Stunde und wir standen bis halb neun abends im Labor, um auch die Proben, die am Abend genommen wurden, zu verarbeiten. Ausgelaugt, aber glücklich über den erfolgreichen Tag, schlossen wir das erste Mesokosmos-Experiment ab. Das Wetter hat mitgespielt, das Meer war schön ruhig und zu jedermanns Freude konnten wir zum ersten Mal Wale sichten.